Aktienanalyse · KI & Big Tech

Alphabet Aktie Analyse 2026: Kaufen nach dem Rekordquartal?

24 % Umsatzwachstum, Cloud-Sparte +82 %, das günstigste KGV unter den großen KI-Plattformen – und trotzdem gab der Kurs nach den Zahlen nach. Was der Markt übersieht und wo der faire Wert liegt.

Aktien Buddies by Modern Value Investing · 7. August 2026 · Lesezeit ca. 20 Minuten

~350 $Kurs (Anf. Aug.)
+24 %Umsatz Q2 YoY
~24KGV 2026e
205 Mrd $Capex-Guidance

01 Die These in drei Sätzen

Alphabet liefert aktuell das seltenste Profil an der Börse: Hyperscaler-Wachstum zum Plattform-Discount. Mit 119,8 Mrd. $ Quartalsumsatz (+24 %), einer Cloud-Sparte, die um 82 % wächst, und einem Forward-KGV von rund 24 ist Alphabet die günstigste der großen KI-Plattformen – Microsoft, Amazon und Nvidia kosten allesamt mehr. Der Haken: Die auf bis zu 205 Mrd. $ erhöhten Investitionen drücken den freien Cashflow ins Minus – wer hier einsteigt, wettet darauf, dass sich der KI-Capex-Superzyklus auszahlt.

02 Die Geschichte: Von der Garage zur 4-Billionen-Holding

Wer verstehen will, ob Alphabet den KI-Umbruch übersteht, sollte wissen: Das Unternehmen hat einen Plattformwechsel dieser Größenordnung schon einmal gemeistert – den Sprung ins mobile Zeitalter. Die wichtigsten Stationen:

Die Lehre für Anleger: Alphabet wurde schon mehrfach totgesagt – beim Mobile-Umbruch, beim Aufstieg von Social Media, beim Start von ChatGPT. Bisher endete jede dieser Phasen mit einem stärkeren Unternehmen. Eine Garantie ist das nicht, aber eine Basisrate, die man kennen sollte.

03 Geschäftsmodell & Segmente: Womit Alphabet Geld verdient

Alphabet ist die Muttergesellschaft von Google und mit rund 4,3 Billionen $ Börsenwert eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. Das Geschäftsmodell steht auf drei Säulen: Google Services (Suche, YouTube, Android, Abos – die Cash-Maschine), Google Cloud (der Wachstumsmotor) und Other Bets (Zukunftswetten wie Waymo, bislang defizitär). Dazu kommt mit Gemini eines der führenden KI-Modelle: Die Gemini-App zählt inzwischen 950 Millionen monatlich aktive Nutzer, fast 90 % der Fortune-100-Unternehmen setzen Gemini Enterprise ein.

Wo der Umsatz herkommt
Q2 2026, Umsatz nach Segment in Mrd. USD (gesamt: 119,8 Mrd. $)
Quelle: Alphabet Q2 2026 Earnings Release. Network-Umsatz gerundet als Restgröße der Services-Sparte.

Wichtig für die Einordnung: Die Suche ist mit 63,3 Mrd. $ weiterhin mehr als die Hälfte des Umsatzes – die vielzitierte These „KI zerstört Googles Suchgeschäft" hat sich bislang nicht materialisiert. Im Gegenteil: Search & Other wuchs um 17 %, laut Management getrieben durch AI Overviews und den AI Mode, die die Suchanfragen sogar erhöhen.

Die Segmente im Detail – und wer davon den Gewinn liefert

Google Suche & Other (63,3 Mrd. $): Auktionsbasierte Werbung neben Suchergebnissen. Werbetreibende bieten auf Suchbegriffe, bezahlt wird pro Klick – ein Geschäft mit außergewöhnlich hohen Margen, weil die Infrastruktur steht und jede zusätzliche Suchanfrage fast nichts kostet. Das ist die Cash-Maschine, die alles andere finanziert.

YouTube Ads (11,1 Mrd. $) und Abos, Plattformen & Geräte (12,9 Mrd. $): Werbung vor und in Videos plus das wachsende Abo-Geschäft (YouTube Premium, Google One, YouTube TV) und die Gebühren des Play Stores. Die Abos sind strategisch wertvoll: wiederkehrende Umsätze, die nicht am Werbemarkt hängen.

Google Network (7,2 Mrd. $): Anzeigen auf fremden Websites und Apps (AdSense, AdMob). Margenärmer, seit Jahren rückläufig – das unwichtigste Segment.

Google Cloud (24,8 Mrd. $): Rechenleistung, Speicher und KI-Modelle zur Miete plus Workspace (Gmail, Docs für Unternehmen). Jahrelang defizitär, inzwischen profitabel mit steigender Marge – hier entsteht gerade die zweite tragende Säule des Konzerns.

Other Bets (0,4 Mrd. $): Zukunftswetten wie Waymo (autonomes Fahren) und Verily (Gesundheit). Verbrennen zusammen Milliarden pro Jahr – aus Anlegersicht eine eingebaute Option auf den nächsten großen Markt, die aktuell wenig kostet und im Erfolgsfall viel wert wäre.

Für die Gewinnverteilung gilt die einfache Formel: Services verdient praktisch den gesamten operativen Gewinn (Q2: 40,8 Mrd. $ Konzern-EBIT bei 34 % Marge), die Cloud dreht mit wachsender Skala Richtung zweistelliger Margen, Other Bets kostet. Wer Alphabet kauft, kauft heute die Such-Cash-Maschine – und bekommt das Cloud-Wachstum sowie die Zukunftswetten obendrauf.

04 Geschäftsmodell & Burggraben: Warum Alphabet so schwer angreifbar ist

Wer Alphabet bewerten will, muss verstehen, warum das Unternehmen seit zwei Jahrzehnten Angriffe übersteht, an denen andere zerbrochen wären. Der Burggraben besteht aus vier Schichten, die sich gegenseitig verstärken.

Erstens: Verteilung, die man nicht kaufen kann. Über 90 % Marktanteil in der Suche, rund drei Milliarden aktive Android-Geräte, der meistgenutzte Browser (Chrome), die zweitgrößte Suchmaschine der Welt (YouTube). Wenn Alphabet ein neues KI-Produkt ausrollt, erreicht es Milliarden Nutzer über Nacht und praktisch kostenlos – die 950 Millionen monatlichen Gemini-Nutzer sind genau so entstanden. Wettbewerber wie OpenAI müssen jeden Nutzer teuer einkaufen oder über Partner erreichen.

Zweitens: vertikale Integration bis zum Chip. Alphabet entwickelt eigene KI-Beschleuniger (TPUs) und betreibt eigene Rechenzentren mit eigenem Modell (Gemini). Das senkt die Abhängigkeit von Nvidia und die Kosten pro KI-Anfrage – im Preiskampf um Cloud-Workloads ein struktureller Vorteil, den außer Amazon kein Hyperscaler in dieser Tiefe hat.

Drittens: Wechselkosten im Cloud-Geschäft. Wer seine Daten, Modelle und Prozesse einmal in die Google Cloud migriert hat, wechselt nicht wegen zehn Prozent Preisunterschied zurück. Der Auftragsbestand von 514 Mrd. $ ist die sichtbarste Form dieses Effekts: mehrjährig vertraglich gebundene Nachfrage.

Viertens: das Werbe-Ökosystem. Millionen Werbetreibende, jahrzehntelang trainierte Auktionssysteme und Conversion-Daten, die kein Konkurrent replizieren kann. Das finanziert alles andere.

Die ehrliche Schwachstelle: Rund drei Viertel des Umsatzes hängen weiter am Werbemarkt – und der ist konjunktursensibel. In einer Rezession spart die Wirtschaft zuerst am Marketing. Wer Alphabet kauft, kauft trotz aller KI-Fantasie zuerst ein Werbeunternehmen.

05 Zahlen-Check: Das Q2, das alles verändert hat

Am 22. Juli legte Alphabet Zahlen vor, die die Erwartungen klar schlugen: 119,8 Mrd. $ Umsatz gegenüber erwarteten 116,9 Mrd. $. Das operative Ergebnis stieg um 30 % auf 40,8 Mrd. $, die operative Marge kletterte auf 34 %. Der ausgewiesene Nettogewinn von 112 Mrd. $ ist allerdings mit Vorsicht zu genießen – rund 99 Mrd. $ davon sind unrealisierte Buchgewinne auf Beteiligungen. Bereinigt lag der Gewinn je Aktie bei 2,85 $.

Der Wachstumsmotor zündet
Google Cloud: Wachstum beschleunigt sich Quartal für Quartal (YoY in %)
Quelle: Alphabet Quartalsberichte. Cloud-Auftragsbestand (Backlog) per Q2 2026: 514 Mrd. $.

Die eigentliche Story ist die Beschleunigung: +48 % im Q4 2025, +63 % im Q1 2026, jetzt +82 %. Dazu ein Auftragsbestand von 514 Mrd. $ – das ist mehr als ein Jahresumsatz des Gesamtkonzerns, der bereits vertraglich gesichert in den Büchern steht. Genau diese Kennzahl war es übrigens, die den KIPtalist – den KI-Fondsmanager aus unserem Podcast – dazu gebracht hat, Alphabet ganz oben auf seine Watchlist zum Thema KI-Monetarisierung zu setzen.

Der langfristige Trend untermauert das Bild:

Umsatzentwicklung Alphabet
Geschäftsjahre 2021–2025 in Mrd. USD
Quelle: Alphabet Geschäftsberichte; 2025 gerundet.
Der wunde Punkt ist nicht das Wachstum, sondern der Cashflow: 44,9 Mrd. $ Capex in einem Quartal – der freie Cashflow rutschte auf −5,9 Mrd. $.

Alphabet hob die Investitionsprognose für 2026 auf 195 bis 205 Mrd. $ an (zuvor 180–190 Mrd. $) und besorgte sich frisches Kapital: 49,6 Mrd. $ über eine Aktienplatzierung im Juni plus gut 50 Mrd. $ über Anleihen. Rund 60 % der Infrastruktur-Investitionen fließen in Server, 40 % in Rechenzentren und Netzwerktechnik. Genau diese Capex-Erhöhung war der Grund, warum die Aktie nach den starken Zahlen zunächst nachgab.

06 Der Capex-Superzyklus: Die größte Wette der Firmengeschichte

Die Dimension der aktuellen Investitionen lässt sich kaum überzeichnen: 2024 investierte Alphabet 52,5 Mrd. $, 2025 bereits rund 91 Mrd. $ – für 2026 stehen 195 bis 205 Mrd. $ im Plan. Eine Vervierfachung in zwei Jahren, und mehr, als die meisten DAX-Konzerne insgesamt wert sind.

Investitionen explodieren
Alphabet Capex in Mrd. USD pro Jahr
Quellen: Alphabet Geschäftsberichte, Guidance Q2 2026 (Mittelwert der Spanne 195–205 Mrd. $). 2025 gerundet.

Bemerkenswert ist, wie das finanziert wird: Alphabet, historisch eine Netto-Cash-Festung, hat 2026 erstmals in großem Stil den Kapitalmarkt angezapft – 49,6 Mrd. $ über eine Aktienplatzierung im Juni, dazu rund 50 Mrd. $ über Anleihen. Etwa 60 % der Mittel fließen in Server (vor allem KI-Beschleuniger), 40 % in Rechenzentren und Netzwerk.

Genau hier verläuft die Front zwischen Bullen und Bären. Die Bullen rechnen so: 514 Mrd. $ vertraglich gesicherter Cloud-Backlog bedeutet, dass die Kapazität nicht auf Verdacht gebaut wird, sondern gegen bestehende Nachfrage – das Risiko liegt eher darin, zu wenig zu bauen und Aufträge an Microsoft oder Amazon zu verlieren. Die Bären halten dagegen: Rechenzentren schreiben sich über Jahre ab, und diese Abschreibungslawine wird die Margen ab 2027 sichtbar belasten – lange bevor klar ist, ob jeder investierte Dollar seine Rendite verdient.

Unser Kompass für die kommenden Quartale: Solange das Cloud-Wachstum über 50 % liegt und der Backlog weiter steigt, arbeitet das Geld. Kippen diese beiden Kennzahlen, ist das der Moment, die These zu überprüfen – nicht vorher, und nicht wegen einer roten Schlagzeile zum Free Cashflow.

07 Bewertung: Der günstigste KI-Hyperscaler

Auf Basis der Gewinnschätzungen für 2026 (ca. 14,30 $ je Aktie) notiert Alphabet bei einem Forward-KGV von rund 24. Zum Vergleich:

Bewertungsvergleich Big Tech
Forward-KGV 2026e (ca.-Werte)
Quellen: Konsensschätzungen, Stand August 2026. Nvidia je nach Quelle 31–40.

Alphabet ist damit die günstigste der großen KI-Plattformen – bei gleichzeitig dem höchsten Cloud-Wachstum der Gruppe. Der Analystenkonsens sieht Kursziele im Bereich von 420 bis 434 $, was vom aktuellen Niveau rund 20–25 % Potenzial bedeutet. Fair ist aber auch: Nach gut 80 % Kursplus in zwölf Monaten ist ein Teil der KI-Story bereits eingepreist, und die klassische Cashflow-Bewertung greift ins Leere, solange der Capex-Zyklus läuft. Wer nur auf das KGV schaut, unterschätzt das Risiko; wer nur auf den negativen Free Cashflow schaut, unterschätzt den Auftragsbestand.

Drei Szenarien als Rechenbeispiel

Statt eines einzelnen Kursziels rechnen wir in Szenarien – jeweils Gewinnschätzung mal Bewertungsmultiple. Das ist bewusst eine Denkhilfe, keine Prognose:

SzenarioAnnahmeRechnerischer Wert
BärWerbemarkt schwächelt, Capex-Sorgen drücken das Multiple auf KGV 20 (2026e: 14,30 $)~286 $
BasisCloud-Momentum hält, Multiple normalisiert sich auf KGV 26~372 $
BulleCapex zahlt sich aus, Gewinn wächst 2027 auf ~16,50 $, Markt zahlt KGV 30~495 $

Vereinfachte Multiple-Rechnung auf Basis von Konsensschätzungen, Stand August 2026. Keine Kursprognose und keine Anlageempfehlung.

Die Lesart: Beim aktuellen Kurs um 350 $ ist das Abwärtsszenario nicht dramatisch weit entfernt (rund −18 %), das Basisszenario bietet moderates Potenzial, und der Bullen-Fall braucht Geduld bis in das Jahr 2027. Das erklärt, warum selbst Alphabet-Optimisten aktuell eher auf Rücksetzer lauern, als der Rally hinterherzukaufen.

08 Das DCF-Modell: Was ist Alphabet „wirklich" wert?

Ein Discounted-Cashflow-Modell (DCF) beantwortet die Grundfrage jeder Bewertung: Was sind alle künftigen Gewinne eines Unternehmens heute wert? Dazu schätzt man die Gewinne der nächsten Jahre und zinst sie auf heute ab – denn ein Euro in zehn Jahren ist weniger wert als ein Euro heute. Wichtig bei Alphabet: Der freie Cashflow ist durch den Capex-Superzyklus aktuell verzerrt (zeitweise negativ), deshalb rechnen wir mit dem bereinigten Gewinn je Aktie als Näherung für die langfristige Ertragskraft.

Unsere Annahmen – offen auf den Tisch

ParameterAnnahmeBegründung
Startpunkt14,30 $ Gewinn je Aktie (2026e)Konsensschätzung
Wachstum Jahre 1–514 % p. a.Cloud-Skalierung, KI-Monetarisierung
Wachstum Jahre 6–109 % p. a.Reifephase, Gesetz der großen Zahl
Ewiges Wachstum3 % p. a.Etwa nominales Weltwirtschaftswachstum
Diskontsatz9 %Eigenkapitalkosten eines Mega-Caps

Das Ergebnis – und wie empfindlich es ist

VarianteAnnahmenModellwert je Aktie
Konservativ12 % / 7 % Wachstum, 10 % Diskontsatz~335 $
Basisfall14 % / 9 % Wachstum, 9 % Diskontsatz~480 $
Optimistisch14 % / 9 % Wachstum, 8 % Diskontsatz~585 $

Vereinfachtes Zwei-Phasen-DCF auf Gewinnbasis, eigene Berechnung. Rechenbeispiel zu Bildungszwecken – keine Kursprognose, keine Anlageempfehlung.

Die ehrliche Lesart: Schon ein Prozentpunkt mehr Diskontsatz oder zwei Punkte weniger Wachstum verschieben den Modellwert um dreistellige Dollarbeträge – ein DCF ist ein Denkwerkzeug, keine Waage. Spannend ist trotzdem, was der aktuelle Kurs um 350 $ implizit aussagt: Der Markt preist ungefähr das konservative Szenario ein. Wer Alphabet kauft, muss also nicht an KI-Wunder glauben – nur daran, dass das Unternehmen etwas besser wächst als der vorsichtigste Fall. Genau diese Asymmetrie ist es, die Value-Investoren an der Aktie reizt.

09 SWOT-Analyse: Alphabet auf einen Blick

Stärken

  • Über 90 % Marktanteil in der Suche – margenstärkste Cash-Maschine der Techwelt
  • Vollintegration: eigene Chips (TPU), eigenes Modell (Gemini), eigene Rechenzentren
  • Verteilmacht über Android, Chrome, YouTube – Milliarden Nutzer ohne Marketingkosten
  • Trotz neuer Schulden eine der stärksten Bilanzen der Welt

Schwächen

  • ~75 % des Umsatzes hängen am konjunktursensiblen Werbemarkt
  • Other Bets verbrennen seit Jahren Milliarden ohne Durchbruch
  • Ergebnisqualität: Rekordgewinn 2026 stark durch Buchgewinne aufgebläht
  • Erstmals nennenswerte Verschuldung und Aktienverwässerung

Chancen

  • 514 Mrd. $ Cloud-Backlog – vertraglich gesichertes Wachstum über Jahre
  • Gemini-Monetarisierung: 950 Mio. Nutzer, Abos und Enterprise-Verträge
  • Waymo als Option auf den Robotaxi-Markt
  • AI Overviews steigern Suchanfragen statt sie zu kannibalisieren

Risiken

  • Kartellverfahren in USA und EU bis hin zu Abspaltungsszenarien
  • Suchverhalten könnte langfristig in Chat-Interfaces abwandern
  • Capex-Fehlallokation: 200 Mrd. $ p. a. ohne ausreichende Rendite
  • Branchenweite KI-Überkapazität durch parallelen Ausbau aller Hyperscaler

10 Wettbewerb & Risiken: Wer kann Alphabet gefährlich werden?

OpenAI & die Chatbot-Konkurrenz greifen das Herzstück an: die Suche. Die Angst, ChatGPT könnte Google ersetzen, hat die Aktie 2024 zeitweise auf ein KGV unter 20 gedrückt. Die bisherige Datenlage spricht dagegen – Suchanfragen und Suchumsatz wachsen, AI Overviews erhöhen die Nutzung. Aber das Risiko ist nicht erledigt: Sollte sich das Suchverhalten einer ganzen Generation dauerhaft in Chat-Interfaces verlagern, trifft es Alphabets profitabelstes Geschäft. Beobachtbar ist das an einer einzigen Kennzahl: dem Wachstum von „Search & Other" – aktuell +17 %.

Microsoft und Amazon sind im Cloud-Rennen Konkurrenten auf Augenhöhe – beide größer im Cloud-Umsatz, aber aktuell langsamer im Wachstum. Alphabets 82 % kommen von der kleineren Basis, was den Vergleich schmeichelhaft macht; entscheidend ist, dass Google Cloud Marktanteile gewinnt statt nur mitzuwachsen. Meta wiederum kämpft mit Alphabet um dieselben Werbebudgets und investiert vergleichbar aggressiv in KI – zusammen geben die vier Hyperscaler 2026 über 400 Mrd. $ aus, was das Risiko einer branchenweiten Überkapazität real macht.

Der fünfte Gegenspieler ist die Regulierung. In den USA laufen Kartellverfahren rund um Suche und Werbetechnologie, die EU hat mit dem Digital Markets Act ein dauerhaftes Aufsichtsregime geschaffen. Erzwungene Änderungen an Standard-Suchdeals oder gar Abspaltungsdiskussionen bleiben das am schwersten kalkulierbare Einzelrisiko – nicht weil sie wahrscheinlich sind, sondern weil sie von Gerichten statt von Märkten entschieden werden.

11 Bullen-Case vs. Bären-Case

Der Bullen-Case

  • Cloud-Beschleunigung mit Sichtbarkeit: 82 % Wachstum plus 514 Mrd. $ Backlog – kaum ein Geschäft weltweit hat mehr vertraglich gesicherte Nachfrage.
  • Such-Resilienz: Die KI-Disruptions-These bröckelt, AI Overviews steigern die Query-Zahlen statt sie zu kannibalisieren.
  • Bewertungslücke: Schnellstes Cloud-Wachstum, niedrigstes KGV der Peer-Group – diese Schere schließt sich historisch meist nach oben.
  • Vollintegration: Eigene Chips (TPUs), eigenes Modell (Gemini, 950 Mio. Nutzer), eigene Rechenzentren – kein anderer Hyperscaler kontrolliert den ganzen Stack.

Der Bären-Case

  • Capex-Superzyklus ohne Netz: Bis zu 205 Mrd. $ Investitionen, negativer Free Cashflow, frische Schulden und Aktienausgabe – enttäuscht die KI-Nachfrage, wird das teuer.
  • Verwässerung & Zinslast: 49,6 Mrd. $ Kapitalerhöhung plus fast 100 Mrd. $ Langfristschulden verändern die Kapitalstruktur spürbar.
  • Buchgewinn-Optik: 99 Mrd. $ des Rekordgewinns sind unrealisierte Beteiligungsgewinne – die Qualität des Ergebnisses ist niedriger, als die Schlagzeile suggeriert.
  • Regulierung: Kartellverfahren in den USA und der EU bleiben ein Damoklesschwert über dem Kerngeschäft Suche.

12 Das KIPtalist-Verdict

Was kein anderes Aktienformat hat: eine Zweitmeinung von einem KI-Fondsmanager, dessen Portfolio live und öffentlich nachvollziehbar läuft. Der KIPtalist verwaltet in unserem Podcast ein Depot mit dem Mandat, den MSCI World zu schlagen – und tritt dabei Woche für Woche gegen uns beide an. Sein Urteil zu Alphabet:

KIPTALIST // FUND MANAGER MEMO07.08.2026
TITELALPHABET INC. (GOOGL)
THEMAKI-MONETARISIERUNG
STATUSWATCHLIST · TOP-PICK
QUALITÄT★★★★★ (Stack-Vollintegration)
BEWERTUNGKGV 24e · Peer-Discount
RISIKOCAPEX-ZYKLUS / FCF NEGATIV
VERDICT: Stärkstes Chance-Risiko-Profil der Watchlist. Kein Blindkauf nach 80 % Kursrally – Kauf-Trigger sind ein Rücksetzer Richtung 320 $ oder ein Q3 mit stabilem Cloud-Momentum bei erster Capex-Disziplin. Cash-Reserve steht bereit.
Ob der KIPtalist zuschlägt – und ob er damit wieder besser abschneidet als Philipp und Marcel – gibt's jeden Freitag im Depot-Update bei Aktien Buddies. Sein komplettes Portfolio läuft live und öffentlich auf wikifolio.

13 Fazit

Alphabet ist im August 2026 die vielleicht rationalste Art, auf den KI-Boom zu setzen: echtes, beschleunigendes Wachstum statt Hoffnung, ein Bewertungsabschlag statt Prämie – bezahlt mit dem Risiko eines historisch beispiellosen Investitionsprogramms. Für Langfristanleger mit starken Nerven überwiegen die Chancen. Wer auf Nummer sicher gehen will, wartet den nächsten Rücksetzer oder die Q3-Zahlen im Oktober ab – und behält bis dahin den freien Cashflow im Blick, nicht die Schlagzeilen-Gewinne.

Häufige Fragen zur Alphabet Aktie

Ist die Alphabet Aktie 2026 ein Kauf?

Alphabet kombiniert 24 % Umsatzwachstum mit dem günstigsten Forward-KGV (ca. 24) unter den großen KI-Plattformen; der Analystenkonsens sieht Kursziele um 420–434 $. Größter Risikofaktor sind die auf bis zu 205 Mrd. $ erhöhten Investitionen, die den freien Cashflow zeitweise ins Minus drücken. Eine Kaufentscheidung hängt von Anlagehorizont und Risikotoleranz ab.

Wie hoch ist das KGV der Alphabet Aktie?

Auf Basis der 2026er-Gewinnschätzungen (ca. 14,30 $ je Aktie) liegt das Forward-KGV bei rund 24 – niedriger als bei Microsoft (ca. 30), Amazon (ca. 28) oder Nvidia (ca. 35).

Warum fiel die Alphabet Aktie trotz starker Quartalszahlen?

Nach den Q2-Zahlen hob Alphabet die Capex-Prognose für 2026 auf 195–205 Mrd. $ an. Bei 44,9 Mrd. $ Investitionen im Quartal rutschte der freie Cashflow auf −5,9 Mrd. $ – das belastete den Kurs trotz des Umsatz-Beats.

Zahlt Alphabet eine Dividende?

Ja, 0,22 $ je Aktie und Quartal (nächste Zahlung: 14. September 2026). Mit rund 0,25 % Rendite bleibt Alphabet aber klar eine Wachstums-, keine Dividendenaktie.

Mensch gegen Maschine – wer schlägt den Markt?

Bei Aktien Buddies by Modern Value Investing analysieren Philipp und Marcel jeden Freitag Aktien wie diese – und treten dabei mit ihren echten Depots gegen den KIPtalist an, unseren KI-Fondsmanager mit öffentlich trackbarem Portfolio. Wer liegt vorn? Die Antwort gibt's jede Woche neu.

Transparenzhinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und Unterhaltung und stellt keine Anlageberatung, Steuerberatung oder Kaufempfehlung im Sinne des WpHG dar. Investitionen in Wertpapiere sind mit Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Kurs- und Kennzahlen: Stand Anfang August 2026, Angaben ohne Gewähr. Die Autoren und/oder das im Podcast begleitete Musterportfolio können Positionen in den besprochenen Wertpapieren halten.

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