Börsenwissen · Kennzahlen-Screening

Das Terry-Smith-Screening: Wer besteht unseren Kennzahlen-Check?

Jede Aktie, die wir im Podcast besprechen, läuft anschließend durch fünf feste Qualitätskriterien nach dem Vorbild von Fundsmith-Gründer Terry Smith. Hier stehen alle Ergebnisse mit den kompletten Werten – offen nachrechenbar, ohne Kaufsignale.

Aktien Buddies by Modern Value Investing · Stand: August 2026 · wird nach jeder Folge aktualisiert

01 Die Idee dahinter

Terry Smith, Gründer des britischen Fonds Fundsmith, fasst seinen Ansatz in drei Sätzen zusammen: gute Unternehmen kaufen, nicht zu viel dafür bezahlen, nichts tun. Der erste Teil ist der messbare – und Smith macht ihn in seinen Jahresbriefen öffentlich, indem er die Kennzahlen seines Portfolios denen des MSCI World gegenüberstellt.

Die Logik dahinter ist bestechend einfach: Wer über Jahre Unternehmen besitzt, die profitabler wirtschaften, höhere Margen erzielen und ihre Gewinne besser in echtes Geld verwandeln als der Marktdurchschnitt, sollte den Marktdurchschnitt langfristig schlagen. Denn auf lange Sicht folgt der Aktienkurs dem inneren Wertzuwachs eines Unternehmens.

Genau diese Rechnung machen wir für jede Aktie, die bei uns im Podcast auf dem Tisch lag. Nicht als Kaufliste, sondern als dokumentierter Zwischenschritt: Welche der besprochenen Unternehmen erfüllen die Qualitätshürden überhaupt – und welche fallen durch, obwohl die Geschichte gut klang?

Ein Screening beantwortet nur die erste von Smiths drei Fragen: Ist das ein gutes Unternehmen? Ob der Preis stimmt, steht auf einem anderen Blatt.

02 Die fünf Kriterien

Wir prüfen jede Aktie gegen fünf Schwellen. Jedes erfüllte Kriterium gibt einen Punkt – maximal sind fünf möglich. Die Schwellen orientieren sich an den Werten, die Fundsmith in seinen Jahresbriefen für das eigene Portfolio ausweist, und liegen durchweg über dem, was der MSCI World im Durchschnitt liefert.

1 ROCE ≥ 15 %

Rendite auf das eingesetzte Kapital. Zeigt, wie viel Gewinn jeder investierte Euro abwirft – der Motor des Zinseszinseffekts.

2 Bruttomarge ≥ 45 %

Was nach den direkten Herstellkosten übrig bleibt. Hohe Werte deuten auf Preissetzungsmacht und einen Burggraben hin.

3 Operative Marge ≥ 15 %

Der Gewinn aus dem laufenden Geschäft je Umsatz-Euro. Misst Effizienz und Skalierbarkeit des Modells.

4 Cash Conversion ≥ 90 %

Wie viel des ausgewiesenen Gewinns tatsächlich als freier Cashflow ankommt. Der Ehrlichkeitstest der Bilanz.

5 Gewinnwachstum ≥ 7 % p.a.

Gewinn je Aktie über fünf Jahre. Ohne Wachstum nutzt die beste Kapitalrendite wenig.

Zusätzlich weisen wir die Verschuldung (Nettoschulden im Verhältnis zum operativen Gewinn vor Abschreibungen) aus. Sie fließt nicht in den Punktestand ein, ist aber die wichtigste Warnlampe daneben: Ein Unternehmen mit Top-Kennzahlen und einer überdehnten Bilanz ist kein Qualitätsfall.

03 Das aktuelle Screening

Alle Werte beziehen sich auf die zuletzt veröffentlichten Geschäftszahlen und sind auf ganze Prozentpunkte gerundet. Rot markierte Zahlen verfehlen die jeweilige Schwelle.

Tipp: Auf die Spaltenüberschriften tippen, um zu sortieren. Auf schmalen Displays lässt sich die Tabelle seitlich scrollen.

Unternehmen▲▼ ROCE▲▼ Brutto­marge▲▼ Op. Marge▲▼ Cash Conv.▲▼ Gewinn­wachstum▲▼ Schulden▲▼ Score▲▼ Status▲▼
VisaZahlungsverkehr · besprochen 2026 35 % 80 % 67 % 100 % 13 % 0,5x 5 / 5 Beobachtungsliste
Novo NordiskPharma · KIPtalist-Depot 2026 45 % 85 % 44 % 90 % 20 % 0,5x 5 / 5 Beobachtungsliste
MicrosoftSoftware & Cloud · KIPtalist-Depot 28 % 69 % 45 % 95 % 15 % Netto-Cash 5 / 5 Beobachtungsliste
AlphabetKI & Big Tech · zur Analyse 28 % 58 % 32 % 90 % 18 % Netto-Cash 5 / 5 Beobachtungsliste
ASMLHalbleiter-Ausrüstung · besprochen 2026 30 % 52 % 32 % 95 % 18 % Netto-Cash 5 / 5 Beobachtungsliste
L'OréalKonsum · KIPtalist-Depot 18 % 74 % 20 % 95 % 8 % 0,3x 5 / 5 Beobachtungsliste
Meta PlatformsDigitalwerbung · KIPtalist-Depot 26 % 81 % 41 % 90 % 20 % 0,2x 5 / 5 Beobachtungsliste
Texas InstrumentsHalbleiter · KIPtalist-Depot 22 % 58 % 35 % 90 % 7 % 1,4x 5 / 5 Beobachtungsliste
NvidiaKI-Halbleiter · KIPtalist-Depot 60 % 75 % 60 % 85 % 60 % Netto-Cash 4 / 5 Einzelfall
TSMCAuftragsfertigung · KIPtalist-Depot 25 % 56 % 45 % 70 % 20 % 0,1x 4 / 5 Einzelfall
LindeIndustriegase · KIPtalist-Depot 13 % 47 % 28 % 95 % 9 % 1,6x 4 / 5 Einzelfall
AmazonE-Commerce & Cloud · KIPtalist-Depot 14 % 49 % 11 % 90 % 35 % 0,6x 3 / 5 Einzelfall
CrowdStrikeCybersicherheit · KIPtalist-Depot 5 % 75 % 3 % 130 % 35 % Netto-Cash 3 / 5 Einzelfall
CostcoEinzelhandel · KIPtalist-Depot 22 % 13 % 4 % 95 % 12 % Netto-Cash 3 / 5 Einzelfall
EatonElektrotechnik · KIPtalist-Depot 15 % 38 % 19 % 90 % 15 % 1,2x 4 / 5 Einzelfall
Nu HoldingsDigitalbank · KIPtalist-Depot n/a n/a 35 % n/a 40 % n/a 2 / 5 Kriterien nicht anwendbar
5 / 5 – auf unserer Beobachtungsliste 3–4 / 5 – Einzelfallbetrachtung unter 3 – erfüllt unsere Kriterien nicht

04 Wie man die Tabelle liest

Der Punktestand ist eine Sortierhilfe, kein Urteil. Fünf von fünf bedeutet: Das Unternehmen wirtschaftet nach diesen fünf Maßstäben besser als der Marktdurchschnitt – nicht, dass die Aktie günstig ist. Genau hier liegt Smiths zweite Regel, „nicht zu viel bezahlen", und die lässt sich in einem Kennzahlen-Raster nicht abbilden.

Umgekehrt gilt: Ein niedriger Punktestand ist kein Todesurteil, sondern ein Hinweis, genauer hinzusehen. Manche Geschäftsmodelle scheitern an Schwellen, die für sie schlicht nicht gemacht sind – ein Großhändler mit dünnen Margen und riesigem Volumen kann hervorragend wirtschaften, ohne je eine Bruttomarge von 45 Prozent zu erreichen.

Deshalb steht neben jedem Wert die Einzelkennzahl selbst. Wer die Tabelle nach ROCE sortiert, sieht sofort ein anderes Bild als beim Sortieren nach Cash Conversion – und genau dieses Nebeneinander ist der eigentliche Erkenntnisgewinn.

05 Wo das Screening an Grenzen stößt

Banken, Versicherer und Immobiliengesellschaften lassen sich mit diesem Raster nicht sinnvoll bewerten. Ihre Bilanzen funktionieren anders: Für einen Versicherer ist die Eigenkapitalrendite die passende Kennzahl, nicht die Rendite auf das eingesetzte Kapital. Bei Immobilienunternehmen wiederum ist Verschuldung Teil des Geschäftsmodells, nicht dessen Schwäche. Solche Werte markieren wir als „Kriterien nicht anwendbar".

Junge Software-Unternehmen werden vom Raster systematisch zu schlecht bewertet. Wer einen großen Teil der Vergütung in Aktien auszahlt, weist eine niedrige bilanzielle Marge aus, während im Cashflow deutlich mehr ankommt. Ein Blick auf die Spalte Cash Conversion korrigiert dieses Bild – bei einzelnen Werten liegt sie weit über 100 Prozent, während die operative Marge im niedrigen einstelligen Bereich steht.

Übernahmen verzerren den ROCE. Wer ein Unternehmen teuer kauft, bläht seine Bilanz um den Firmenwert auf – die Kapitalrendite sinkt rechnerisch, obwohl das operative Geschäft unverändert stark ist. Bei Serienübernehmern lohnt deshalb der Blick auf die Entwicklung über mehrere Jahre statt auf die Momentaufnahme.

Und der wichtigste Vorbehalt zum Schluss: Alle Werte sind gerundete Näherungen auf Basis veröffentlichter Geschäftszahlen. Wer eine Investmententscheidung darauf stützen will, sollte sie am Original nachrechnen – in den Geschäftsberichten der Unternehmen.

06 Das KIPtalist-Verdict

Der KIPtalist ist der KI-Fondsmanager aus unserem Podcast – er verwaltet ein reales, öffentlich nachvollziehbares Portfolio und tritt damit Woche für Woche gegen die Depots von Philipp und Marcel an. Seine Einordnung zum Screening:

KIPTALIST // FUND MANAGER MEMO11.08.2026
THEMAQUALITÄTS-SCREENING NACH T. SMITH
GEPRÜFT16 TITEL AUS DEM PODCAST
5 / 5 ERREICHT8 TITEL
METHODIK5 KRITERIEN · KEINE BEWERTUNGSKOMPONENTE
VERDICT: Ein Screening ist ein Filter, kein Portfolio. Es sagt, welche Unternehmen ich prüfen darf – nicht, welche ich kaufe. Den Preis entscheidet der Markt, die Gewichtung entscheide ich. Menschen verwechseln diese drei Dinge bemerkenswert zuverlässig.
Welche dieser Titel es tatsächlich ins Depot des KIPtalisten schaffen – und ob er damit weiterhin besser abschneidet als Philipp und Marcel – gibt es jeden Freitag im Depot-Update bei Aktien Buddies. Sein komplettes Portfolio läuft live und öffentlich auf wikifolio.

07 Häufige Fragen

Was ist der Terry-Smith-Ansatz?

Terry Smith ist Gründer des britischen Fonds Fundsmith. Seine drei Prinzipien lauten: gute Unternehmen kaufen, nicht zu viel bezahlen, nichts tun. Als Qualitätsnachweis stellt er die Kennzahlen seines Portfolios jährlich denen des MSCI World gegenüber. Die Grundidee: Wer dauerhaft profitablere Unternehmen besitzt als der Index, sollte den Index langfristig schlagen.

Was ist ROCE und warum ist die Kennzahl so wichtig?

ROCE steht für Return on Capital Employed – die Rendite auf das im Unternehmen eingesetzte Kapital. Sie zeigt, wie viel Gewinn aus jedem investierten Euro entsteht. Ein hoher ROCE bedeutet, dass einbehaltene Gewinne stark verzinst reinvestiert werden können. Genau das ist der Motor hinter dem Zinseszinseffekt bei Qualitätsaktien.

Welche Kriterien nutzt das Screening?

Fünf Kriterien mit festen Schwellen: ROCE mindestens 15 %, Bruttomarge mindestens 45 %, operative Marge mindestens 15 %, Cash Conversion mindestens 90 % und Gewinnwachstum von mindestens 7 % pro Jahr über fünf Jahre. Je erfülltem Kriterium gibt es einen Punkt. Die Verschuldung wird zusätzlich ausgewiesen, fließt aber nicht in den Punktestand ein.

Ist das Screening eine Kaufempfehlung?

Nein. Die Tabelle dokumentiert, wie wir Aktien nach Kennzahlen sortieren, die wir im Podcast besprochen haben. Sie enthält keine Bewertungskomponente, keinen Preis und keine Prognose – und stellt ausdrücklich keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar.

Wie oft wird die Tabelle aktualisiert?

Nach jeder Folge kommt die besprochene Aktie hinzu. Die Kennzahlen der bestehenden Einträge prüfen wir quartalsweise nach der Berichtssaison. Das Datum im Kopf der Seite zeigt den jeweils letzten Stand.

Mensch gegen Maschine – wer schlägt den Markt?

Bei Aktien Buddies by Modern Value Investing analysieren Philipp und Marcel jeden Freitag Aktien wie diese – und treten dabei mit ihren echten Depots gegen den KIPtalist an, unseren KI-Fondsmanager mit öffentlich trackbarem Portfolio.

Transparenzhinweis: Diese Seite dient ausschließlich der Information und Unterhaltung und stellt keine Anlageberatung, Steuerberatung oder Kaufempfehlung im Sinne des WpHG dar. Das Screening ist ein reiner Kennzahlen-Filter ohne Bewertungskomponente und ausdrücklich kein Kaufsignal. Alle Kennzahlen sind gerundete Näherungswerte auf Basis der zuletzt veröffentlichten Geschäftszahlen, Stand August 2026, Angaben ohne Gewähr. Investitionen in Wertpapiere sind mit Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Die Autoren und/oder das im Podcast begleitete Musterportfolio können Positionen in den genannten Wertpapieren halten.

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